
ALLGEMEINE INFORMATIONEN
ÜBER
DIE JESUITISCHEN REDUKTIONEN

Jesuitenmission von Trinidad
Spuren der jesuitischen Reduktionen, der Siedlungen, die von der Gesellschaft
Jesu zwischen 1609 y 1768 erbaut wurden, sind noch heute an beiden Seiten des
Parana-Flusses zu finden. Aufgabe der Jesuiten in Südamerika war die
Evangelisierung der Guarani, ein einheimisches Volk, das in einem breiten Gebiet
des heutigen Paraguay, Südbrasiliens und Nordargentiniens zu Hause war. Das
politische und soziale System der Reduktionen umfasste 160 Jahre lang insgesamt
30 Siedlungen mit rund 100.000 Einwohnern und bestand aus freien Kommunen, die
schließlich zu einem wahren utopischen Experiment ihrer Zeit wurden. Die
jesuitischen Siedlungen bekamen den Namen Reducciones und bestanden aus mehreren
meist sehr schönen Bauten, die um einen breiten Platz errichtet wurden. Im
Mittelpunkt stand die Kirche und nebenan die sogenannten Colegios, die Schule
und Werkstätte zugleich waren.
Es befanden sich weiter die Häuser der Indianer (Casas de Indios) und dahinter
weitere Räume und Lager für die Aufbewahrung von Korn und anderen Lebensmitteln.
San Ignacio Guasu
Der malerische Ort liegt 226 km von Asunciön entfernt und war eine der ersten
Reduktionen. Im Laufe der Zeit gingen die meisten seiner alten Bauten verloren,
aber in den achtziger Jahren wurde das ursprüngliche Gebäude restauriert und zu
einem Museum gemacht. Dieses Museum beherbergt eine der schönsten Sammlungen der
kolonialen Periode. Die Kapelle mit ihrem barocken Altar ist eines seiner
bedeutendsten Schätze, sehr schön sind auch die Holzskulpturen vom Hl. Ignatius
von Loyola, dem Erzengel Rafael, usw.


Santiago
Diese heutige Haupstadt der paraguayischen Tradition liegt 53 km von San Ignacio
Guasu entfernt.
Das Jesuitische Museum des Ortes wurde Anfang der 80er Jahre eröffnet. Unter den
vielen hoch interessanten Holzskulpturen ist dort eine Krippendarstellung
besonders sehenswert; in der Kirche steht eine eindrucksvolle Darstellung des
reitenden Hl. Jakobus, in dessen Namen die Reduktion getauft wurde.
Santa Rosa
Von der ehemals wichtigen Reduktion Santa Rosa blieben ein vollständiger
Glockenturm und ein großes Haus der Indios bestehen. Die Loretokapelle zeigt
sehr schöne Fresken sowie sehenswerte Holzfiguren der jesuitischen Zeit. Darüber
hinaus kann man in Santa Rosa alte Fundamente der ehemaligen Reduktion finden.
Santa Maria de Fe
Aus der alten Reduktion ist heute eine kleine malerische Stadt geworden, deren
Einwohner sich hauptsächlich der Viehzucht widmen. Die große Sammlung von etwa
60 Holzfiguren ist in einem alten, gut restaurierten Gebäude untergebracht.
Besonders sehenswert sind in dem Museum von Santa Maria de Fe u.a. die Figuren
vom Hl. Ignatius von Lpyola, der St. Barbara, St. Sebastian sowie eine
eigenartige und reizvolle Krippendarstellung aus mehreren Figuren.
San Cosme y San Damian
Diese Stadt am Parana-Fluss hatte als jesuitische Reduktion ein recht kurzes
Leben, dennoch blieben von dieser Zeit einige imposante Gebäude, vor allem die
große bereits restaurierte Kirche, erhalten. San Cosme y San Damian ist die
einzige Reduktion, die trotz der Vertreibung der Jesuiten ständig bewohnt blieb.
Sie war das Zentrum für astronomische Forschungen. Außer der Architektur sind
dort einige Holzfiguren und die Sonnenuhr besonders sehenswert.

JESUS DEL TAVARANGUE
Ein Kulturerbe der Menschheit
38 km von der Stadt Encarnaciön entfernt entdeckt man einen riesigen Steinbau,
nämlich die 50 m lange Kirche von Jesus del Tavarangüe. Sie wurde dreischiffig
gebaut und nie fertigestellt. Dieses Meisterwerk der jesuitischen Baukunst
erweckt einen Eindruck magischer Vergangenheit und lässt das Monumentale des
Projekts leicht erkennen. Die nach spanisch-maurischem Stil gebauten drei Tore
sind außergewöhnlich beeindruckend. Die ganze Anlage, die von der Unesco zum
Weltkulturerbe erklärt wurde, wird zur Zeit noch restauriert, während in dem
gesamten Terrain archäologische Forschungen durchgeführt werden.
SANTISIMA
TRINIDAD DEL PARANA
Dieses jesuitische Monument wird als die größte und schönste aller Reduktionen
der paraguayischen Missionen betrachtet und liegt auf einem Hügel, etwa 28 km
von Encarnaciön und 400 km von Asunciön entfernt.
In Santisima Trinidad bewundert man die fantasievolle barocke Architektur und
einige Reliefs mit musizierenden Engeln. Unter den vielen Steinfiguren befindet
sich die vollständig restaurierte Kanzel, ein Meisterwerk aus Stein.
In keiner anderen Reduktion im ganzen Jesuitenstaat haben die Architekten der
Gesellschaft Jesu eine höhere Vollkommenheit erreicht; man kann dort die Kirche,
die Schulen, die Häuser der Indianer und weitere Gebäude sehr leicht erkennen,
und der große Platz im Mittelpunkt wirkt mit seinem immergrünen Rasen
aßordentlich anmutend. Es ist also nicht verwunderlich, dass auch Trinidad von
der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Die Anfertigung von Holzskulpturen ergab außerordentlich schöne Heiligenfiguren,
für den Möbel- und Instrumentenbau zeigten die Indianer ein besonderes Talent,
und die von ihnen erfundene paraguayische Harfe ist heute ein weltbekanntes
Instrument.
Nach der von der spanischen Krone 1768 beschlossenen Vertreibung der
Gesellschaft Jesu nahm die Bevölkerung der Reduktionen schnell ab, bis diese
wenige Jahrzehnte später menschenleer und total verlassen wurden.
Verwaltung der
Reduktionen
Die Verwaltung der Redukionen war beispielhaft. Die Einwohner der verschiedenen
Siedlungen waren Bauer und Viehz¨chter und hatten als wichtigste Beschäftigung
die Gewinnung und Verarbeitung des traditionellen Mate-Tees (Ylex paraguariensis),
der sich heute noch als kalter oder warmer Aufguss (Terere bzw. Mate), auch
jenseits der paraguayischen Grenzen, großer Beliebtheit erfreut. Wie viele
andere ursprüngliche Völker Amerikas waren die Guarani im Kunsthandwerk
besonders begabt, sie besaßen auch einen eigenen Glauben und eigene Kenntnisse
im Bereich der Pflanzenwelt und der Astronomie, Kenntnisse, die später von der
Menschheit übernommen wurden.
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